Der gedruckte Text stellt eine untrennbare Einheit von Inhalt und Form dar. Tinte, Toner, Druckerschwärze gehen eine fixe, unauflösbare physikalische Verbindung mit dem Papier ein. Obwohl digitale Medien prinzipiell auf einer Trennung von Form und Inhalt basieren, speichert der Autor auch hier nach wie vor seinen Text in einer ganz bestimmten Fassung ab und für den einzelnen Leser stellt sich das Gelesene als eine statische Einheit dar.
Dies steht im Widerspruch zur Erfahrung, dass Lesergruppen und Individuen mitunter sehr verschiedene Anforderungen an den gleichen Text stellen. Dies ist der Fall gerade im Bereich der Reiseliteratur, bei der Texte mit einer hohen Informationsdichte auf eine Leserschaft treffen, die, je nach Alter und Interessen sehr unterschiedliche Bedürnisse in Bezug auf bestimmte Ferienorte hat. Traditionell wird diese Problematik mit individuellen, zielgruppenspezifischen Texten beantwortet. Dieses Projekt jedoch geht von der Hypothese aus, dass mit Hilfe intelligenter Datenbanken und neuer Visualisierungsstrategien, ein und derselbe Text für verschiedene Zielgruppen und Bedürfnisse aufbereitet werden kann. Es geht dabei um ein neues Verständnis des Lesens und Schreibens, in dem ein Text als Datenbank verstanden wird, die je nach Bedürfnissen des Lesers, visuell aufbereitet wird. Der Text in diesem Sinne besteht aus geschriebenen und bildhaften Inhalten und ist nicht notwendigerweise strikt linear.
Anhand entsprechender Szenarien aus der Reiseliteratur und ausgehend von den Kompetenzen des Teams im Bereich visueller Wissensvermittlung und Interaktionsdesign werden die Möglichkeiten flexibler Texterstellung und Darstellung explorativ untersucht. Die Anwendung wird im Kontext des Webs entwickelt, dessen Infrastruktur prädestiniert ist, für eine flexible Darstellung von Daten. Mit dem Fallbeispiel aus der Reiseliteratur sollen Praxispartner aus dem Verlagswesen und dem Online Publishing für eine Fortführung auf KTI-Ebene gewonnen werden. |